Lasche & Böcke
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By: Achim Biebricher
In: Blog / Politics
21. April 2021

Lasche & Böcke

Die K-Woche entschied den Bruderzwist,
bescherte uns ein grüner Hype und
die Ermächtigung der Front-Dame

Annalena Baerbock | Bildquelle: Pressefotos - BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (gruene.de)

Die K-Woche ist geprägt von einer Schlammschlacht zweier Männer, einer Person der Woche und einer mächtigen Frau

Die Querelen in der Union, um die Frage, wer wohl der richtige Nachfolger Merkels ist, sind kontraproduktiv. In dieser schweren Corona-Zeit, wo die Amtsinhaberin gerade gesetzlich mit mehr Macht ausgestattet wird (manche Sagen, sie habe mehr Macht erzwungen), leisten sich der herausfordernde Markus Söder (CSU) und der zögerliche Armin Laschet (CDU) ein Duell, was letztlich in einer nächtlichen Sturzgeburt entschieden wurde. Die Folgen wirken sich prompt und negativ auf die Union aus; in den neuesten Umfrageergebnisse (Forsa, RTL) gibt es eine massive Wählerpräferenz hin zu den Grünen. Ein Gewinn für die Grünen.

Annalena Baerbock, eine eloquente junge Frau fordert die "alten Herren" als Spitzenkanditatin heraus. Sie gilt als lernfähig, zielstrebig und spricht von einem neuen Stil und Teamgeist - als ein Angebot, wie sie selbst sagt. Sie tritt ohne nennenswerte Erfahrung in Regierungsfunktionen für das höchste Amt an und dieses Defizit ist und bleibt das große Manko für die erste grüne Kanzlerkandidatin.
Da ist jegliches Kaschieren zwecklos und so erregen sich schnell die Gemüter, von Ilse Aigner, die glaubt bald sei die Schönwetterlage bei den Grünen vorbei, bis Oskar Lafontaine. Die Grünen, so Lafontaine, und viele ihre Anhänger im Journalismus sind mit Annalena Baerbock offensichtlich der Meinung, wenn man Mitarbeiterin einer Fraktion war und zwei Kinder großzieht, sei man hinreichend qualifiziert, Bundeskanzlerin der größten Wirtschaftsnation Europas zu sein. Unter weiter zitierte er Wilhelm Busch:

Wenn einer, der mit Mühe kaum
gekrochen ist auf einen Baum,
schon meint, dass er ein Vogel wär,
so irrt sich der."

Dennoch, wenn sie als Grüne Spitzenfrau zur Kanzlerin gewählt werden würde, zeigt das, wie wenig überzeugend die "alten Männer" sind, Wähler*innen auf ihren Kurs nicht mitnehmen und offenbar so wenig Zugkraft haben, wie eine alte Diesellok.
Die wenigsten glauben und dass bezweifele ich auch, dass letztlich die Bundestagswahl von grünen Themen entschieden wird, sondern von der Corona-Politik, wie Prof. Korte, und alles was damit im Zusammenhang steht. Es stellt sich zudem die Frage, ob die Zeit reif ist für eine grüne Kanzlerin und in welcher Konstellation.
Die programmatischen Inhalte der Grünen würden konservative Wähler*innen eher erschrecken, die Milieus sind sehr unterschiedlich, sowie die Erwartungen, die an den Staat herangetragen werden.
Neben bedürftigen Renter*innen, die ihre Rente aufbessern, um zu überleben, indem sie (verständlicherweise) Flaschen hinterherlaufen und auf staatliche Stütze angewiesen sind, gibt es ebenso gutsituierte Pensionär*innen, die ihren Computer vorwiegend dazu brauchen, um auf einer Excel-Tabelle die täglichen Ausgaben aufzulisten, zu summieren, um das Plus an Euro's auf dem Konto zu errechnen.
Diese unabhängigere Gruppe hat sich bisher wenig aktiv mit Zukunfststhemen, wie für klimatischen Belange eingesetzt. "Fridays for Future" wird mehr mit dem schwarzen Freitag verbunden, als mit einer Protestgruppe mit Greta und co. an der Spitze. Für den deutschen Michel ist Grün in erster Linie der Garten um das eigene Häuschen und der Wald dazu da, um den Hund auszuführen. Eine falsch verstandene Diskussion um Enteignung und Einschränkungen im Konsum werden gemeinhin als sozialistische Methoden abgetan und mit der DDR oder heutzutage China verortet. Wieder Andere, am äußeren Rand, reden von Öko-Diktatur.
Die CDU rechts von den Grünen, die bisher das letztgenannte Clientel mit bediente, ist jüngst durch mehrere Skandale geschüttelt und geschwächt, dümpelt immer tiefer im Sumpf und auch ein Kompromisskandidat mit mäßiger Bilanz scheint nicht die Kraft auszustrahlen, dass Problem überzeugend anzupacken und die Richtung für die Zukunft – welche überhaupt? - vorzugeben. 16 Regierungsjahre sind scheinbar zu viel.
Fast hätten die eigenen Leute schon gesagt: "Armin lass es!". Mit einem Coup gelang es schließlich Laschet den Vorstand noch einmal hinter sich zu bringen und damit Söder in die Niederlage zu treiben. Der Verlierer, sei ein "Kandidat der Herzen" hieß es, ein liebenswürdiges Etikett und Schönrednerei der CSU und von weit hergeholt für einen machtbewussten Politiker autoritären Stils, ohne Empathie, der nicht verlieren will und kann und für den die Bezeichnung "Spalter der Union" treffender wäre.
Markus Söder wird in der Union Klein-Armin noch lange vor sich hertreiben und vergiftete Pfeile nach Berlin schießen, da er sich für den besseren von beiden hält. Laschet ist Kanzlerkandidat von Söders Gnaden. Eine Mögliche Regierung unter Führung der CDU, zum Beispiel mit den Grünen, wird alles andere als leicht, zu stark sind die inhaltlichen Differenzen. Der brüllende Löwe aus Bayern wird jede Gelegenheit nutzen, sich präsent zu zeigen, ob virtuell zugeschaltet oder er wird eine dunkle Wolke aus München vorbeischicken, um Verhandlungen zu torpedieren, die nicht in seinem Sinne sind.

Ich halte es mit Dietmar Bartsch: "Ich wünsche Armin Laschet alles Gute dabei, die Union in die Opposition zu führen."
Wichtig ist was dabei hinten rauskommt, sagte Helmut Kohl. Das wollte man sich bei so viel Kohl nicht wirklich bildlich vorstellen.