blog 2018


Ein Merz beendet den Winterschlaf


Der alte und neue Hoffnungsträger will die Volkspartei CDU wieder zur alten Stärke führen und die AfD halbieren. Die kleine Frau von gestern will das verhindern


Friedrich Merz, einer der drei aussichtsreichsten Kandidaten für den Chefposten der CDU warnt davor, die Partei weiter zu "sozialdemokratisieren". Er möchte das konservative Profil der CDU schärfen und damit die verlorenen AfD-Wähler zurückholen, auch die Abwanderung der Wähler an die Grünen will er stoppen. Gezielt nutzt er dafür Avancen an die Grünen, wie im Talkshow-Auftritt bei Maybrit Illner, denn die wird er brauchen.

Merz ist ein Friedrich der Vergangenheit und ist sich in vielen seiner inhaltlichen Aussagen treu geblieben. "Er ist einfach nicht mehr im Film", schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Wenn man mit Merz spreche, bemerkt der SPIEGEL, "wirkt er manchmal wie ein Mann, der in einer Zeitkapsel gefangen war".
Seine Mitbewerber und Konkurrenten um den Parteivorsitz, allesamt konservativer geprägt, als die derzeitige Amtsinhaberin Angela Merkel, rechnen sich ebenfalls gute Chancen bei der Wahl am 7. Dezember aus.
Besonders Annegret Kramp-Karrenbauer, ähnlich wie ein Atomkraftwerk, AKK genannt, gibt sich im Auftritt moderater; sie prescht weniger mit neuverpackten alten Ideen vor, steht sie doch für die Fortsetzung der liberaleren Merkel'schen Politik. Das kann sich positiv auswirken, denn die CDU hat sich nach 20 Jahren Helmut Kohl verändert. Die Partei ist nicht sozialer geworden, so wird immer noch an den Hartz-Reformen festgehalten, aber parteipolitische Positionen sind auch nicht so marktradikal und neoliberal, wie zu Zeiten Alfred Dreggers, Merz' Mentor, ein katholischer wirtschaftsgläubiger Mann aus Fulda.
Die Union ist heutzutage offener für neue Ideen und muss es auch sein, in einer weltpolitischen Lage, wo die alte Nachkriegsordnung zerbricht, Migration, technologischer Wandel und Klimawandel uns alle herausfordert neue Regelwerke des Miteinanders zu finden oder zu integrativ zu sein.

Friedrich Merz punktet mit rhetorischem Talent und mit angeblicher Führungsstärke, die ich bezweifle, so hat er doch 2004 die Flucht nach hinten angetreten, eben hinein in jene privaten Wirtschaftszweige, die im Zuge der Finanzkrise in der Kritik standen – was ihm viele verübeln dürften, da sein Erfolg dort einen faden Beigschmack hinterlässt. Das wird ihm Stimmen kosten und böse Zungen behaupten unter seiner Führung würde die CDU die Rolle rückwärts machen.
Soll das die erwartete Erneuerung der Union sein und brauchen wir "junge Köpfe", wie ein Wiener Würstchen, wie Kurz?

Jung Spahn, der Lobbyist der Pharmaindustrie? Jens Spahn muss sich wohl erst noch finden und bewähren. Mit unpopulären Ideen, die mit heißer Nadel genäht sind (zuerst wird etwas aufgeschnitten), wird der Mann schnell ausgebremst sein.

Auch Bronze ist eine Auszeichnung und die "3" eine bestandene Note sowie ein Anreiz höher zu kommen und besser als die Ersten zu werden. An Strebsamkeit und Durchsetzungsvermögen mangelt es Jens S. nicht.
Zurückgezogen hat sich ein hagerer Mann, von den vielen, die von jener Frau, der Bundeschefin Merkel, entlassen worden sind, bis zu dem Tag der Ankündigung ihres schrittweisen Rückzugs von allen Ämtern: Friedrich Merz.
Der Eindruck drängt sich auf, als sei Merz 15 Jahre im politischen Koma versunken und wachte plötzlich auf, als sich die Chance bot nun selbst die Ämter von Partei und Staat zu übernehmen.
Von Führungsstärke zeugt das nicht, allenfalls von Taktik und Cleverness!

... wenn da mal nicht vorzeitig der Schulzzug kommt und den Merz aus dem Gleis in die Commerzbank schleudert ... oder so ähnlich!

Wenn eine Frau auf eine Frau an der Spitze folgt, so passt das in das folgende Jahr 2019, wo in Berlin der internationale Frauentag zum arbeisfreien Feiertag verrechtlicht werden soll.
Ich rate allerdings bei dieser internen Delegiertenwahl zu einer ganz anderen Aufstellung, und da muss die CDU nur nach links oder rechts im Bundestag schauen:
Die Initiierung einer Doppelspitze in der Parteiführung. Damit wäre der Proporz auf allen Gebieten gewahrt und es bliebe weiterhin spannenend in Bezug auf die Kanzlerkandidatur, die früher kommen, als sie terminiert ist.