blog 2020



Die Queen und ihre Nachfolger

Harry und Meghan sind jetzt H&M


Der Brexit ist noch nicht in trockenen Tüchern, jetzt steht der neueste Austritt bevor. Prinz Harry und Herzogin Meghan verlassen das Königshaus.


Der Enkel der Königin und seine Ehefrau sind nicht länger "Königliche Hoheit", so der Buckingham-Palast in einer Mitteilung. In ihrer Rolle als Mitglieder des engeren Königshauses werden sie sich zurückziehen und keine weiteren offiziellen Aufgaben für das Königshaus übernehmen.
In Zukunft werden wir wohl auf Prinz Harry in hochdekorierter Uniform und Meghan mit hochdrapiertem Hut zu offiziellen Anlässen verzichten müssen. So viel zum Äußeren und zum Pomp.

Die Queen hat erklärt, sie unterstütze Harrys und Meghans Wunsch nach einem unabhängigeren Leben. Hat Sie es langsam selbst satt oder woher kommt die Einsicht und die Milde der 93-jährigen Monarchin, die bisher das Königshaus mit eiserner Disziplin verteidigte – man denke an die tagelange zögerliche Haltung zur öffentlichen Stellungnahme nach dem Tod ihrer Schwiegertochter Lady Di, nicht zuletzt um die Etikette zu wahren. Nun gut, inzwischen sind 25 Jahre vergangen, oder man denke jüngst an das Theater, wie sich die Königin von dem listigen und umstrittenen Premier in der Brexitfrage zum Vortrag der vorgefertigten Regierungserklärung instrumentalisieren hat lassen.
Klar, es war immer so, aber muss es so sein? Hätte man sich nicht ein Staatsoberhaupt gewünscht, das sein Gewicht in die Waagschale wirft, wenn es um die Zukunft des Landes geht?

Harry und Meghan erkämpfen sich ihren Freiraum. Sie haben ein Recht auf Privatsphäre. Harry ist als Sohn gezeichnet von seiner Mutter, deren Ehe mit Prinz Charles maßgeblich daran scheiterte und Paparazzi sie in den Tod trieben. Harry hat mehr Freiheit als sein Bruder, Kronprinz Wiliam, und ist als derzeit 6. in der Thronfolge weniger eingebunden in den Tagesablauf königliche Verpflichtungen zu übernehmen und somit in die strengen Gepflogenheiten und Etikette – mit der er es ja in jungen Jahren nicht immer so exakt gehalten hat.

Aber warum zum jetzigen Zeitpunkt auch noch ein "Megxit"? So treffend bezeichnet die britische Presse diesen royalen Rücktritt in Anlehnung an den kurz bevorstehenden Brexit. Die Gesellschaft Britanniens ist gespalten wie selten zuvor und der Zusammenhalt des vereinigten Königreiches steht auf dem Spiel und damit auch die Zukunft der Monarchie.

Bildquelle: Wiki Commons | Prince Harry and Meghan Markle going to church at Sandringham on Christmas Day 2017

Welchen Anteil an dieser Revolte haben die (bösen) Frauen, Meghan oder gar die angebliche Rivalin Kate, die gejagte und verstorbene Mutter Prinzessin Diana und zuletzt die Queen selbst am allmählichen Zerfall der Dynastie und an der Entscheidung von Harry und Meghan das Königshaus zu verlassen?
Ich vermute viel. War gar Meghan die (auseinander-)treibende Kraft, die falsche (zu wenig blaublütige) Frau an der Seite des Prinzen? Wie ist das Verhältnis der Familienclanmitglieder untereinander? Dazu werden wir noch viel lesen und hören oder mutmaßen.
Über mehr Unabhängigkeit der beiden Mitglieder des Hochadels wurde schon tagelang berichtet. Als aber die Nachricht der Hausrevolte plötzlich reinbrach, gab es einen Sturm der Entrüstung in der britischen Bevölkerung, der sich auch – allerdings anders - in Deutschland bemerkbar machte. Nach dem großen Sturm und nach dem Krisengipfel mit der Queen glätten sich die Wogen und Harry und Meghan versuchen auf fremden Pfaden ihr Glück im weiten und freiheitsliebenden Nordamerika zu finden. Und wohl sicher auch nicht als Rucksacktouristen mit ausgelatschten Sandalen und leerem Portmonee im Gepäck. Hartz 4 gibt es nicht, aber ein bisschen was, lässt Papa Charles für den abtrünnigen Sohn schon springen.

Was bleibt?
Eine Königin am Ende ihrer Tage, ein umstrittener Nachfolger und ein kleiner Prinz. Der kleine Archie wird freier und gelassener aufwachsen, wohl weniger unter den strengen Blicken seiner Mitschüler, nicht mehr ständig mit dem Gefühl privilegiert zu sein und besser als die anderen fungieren zu müssen. Anders als sein etwas älterer Cousin, der kleine King George, der, wie jüngst, regelmäßig zu Presseterminen von seinen Vorfahren vorgeführt wird.

Was bleibt noch?
Es bleibt bislang eine konstitutionelle Wertemonarchie, die sich schwertut, wie das ganze Land mit der Modernisierung seiner Institutionen und seinem Platz in der Welt am Beginn der 20er Jahren des 21. Jahrhunderts.

Ein Signal für Aufbruch im Land ist der Brexit nicht; auch nicht dieser Disput um Pfründe und Pflichten. Aber vielleicht machen es die Jungen vor und siedeln erst einmal aus, zumindest aus den alten hohen Gemäuern und Gemächern des Königshauses auf einer auf sich abschottenden Insel.

Viel Glück für Prinz a. D. und Herzogin a. D für das neue Leben und Glamourdasein in der kanadischen Wildnis (fast ein bisschen wie in Schottland, nur ohne Schlösser)


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