2020 - Rückblick und Ausblick

Corona ist kein Bier


Pandemie, Lockdown, Virologie, Homeoffice, Homeschooling und Querdenker sind prägende Begriffe aus einem Jahr, wie keines zuvor.

 

2020 Rückblick und Ausblick…
In der öffentlichen Diskussion stehen Kontaktbeschränkungen zur Verminderung der Ansteckungsgefahr durch das Corona-Virus. Bei den Maßnahmen zur Eindämmung des Virus geht es insbesondere um die Abwägung von gesundheitlichen Risiken gegen volkswirtschaftliche-Schäden. In der jüngsten Geschichte spalten weitreichende Grundrechtseinschränkungen - sogar das Wort Triage fällt, d.h. wer ist noch besonders schützenswert und wer nicht - die Bevölkerung in Befürworter und Gegner dieses Vorgehens.

Tägliche Fallzahlen in der Corona-Statistik, veröffentlicht vom Robert Koch-Institut und kommentiert von bis dahin eher unbekannte Personen, wie Virologen, Epidemiologen, sprich Wissenschaftler werden zum Sprachrohr dieser Entwicklung und verunsichern das Volk. Unter den Genannten wurde Lauterbach immer lauter; Jeden zweiten Tag sitzt der Gesundheitsexperte abgemagert und schläfrig in einer Talkshow als Dauergast, so dass man glauben mag, die TV-Programme liefen seit Monaten in einer Endlosschleife.
Die Bundeskanzlerin, deren Zenit schon Anfang des Jahres überschritten schien -  fungiert im Lauf der Krisenmonate zunehmend als „Krankenschwester der Nation“ und kungelt in einer nicht legitimierten Ministerpräsidentenrunde fortdauernd neue Restriktionen mit immer kürzerer Halbwertszeit für die Bürger/-innen aus. Die Ministerpräsidenten selbst, allen voran der Kronprinz aus Bayern, überbieten sich in Lockerungen und Lockdownforderungen in einem medialen Wettbewerb; stets das Superwahljahr im Blick.

Die Lockdown-Zumutungen werden zusehend zu einer ewigen Hängepartie, dessen Ergebnisse immer zweifelhafter werden, weil sie das Ziel das Infektionsgeschehen zu senken nicht erreichen, bestenfalls stagnieren die in Relevanz erhobenen Zahlen.
Hygiene wird großgeschrieben und so manchen Obdachlosen durch verstärkte Ignoranz zum Verhängnis. Die Maske ist salonfähig geworden. Noch vor drei Jahren wäre die Mund/Nasen-Bedeckung noch unter das Vermummungsverbot gefallen.

Ein Problem mit den Kleinen und Kleinsten gab es zuweilen auch: über den richtigen Umgang mit den Schülern und Kindern in Kitas und Schulen und über die Einhaltung der sogenannten AHA-Regeln.
Immer öfters sind, nach wie vor, Schulen geschlossen und verwaisen. Die Kultusminister sind zerstrittenen über eine einigermaßen einheitliche Regelung, in einer Zeit, wo schon lange mehr keiner durch einen föderal strukturierten Flickenteppich der Bildungspolitik blickt und dieser zunehmend zerbröselt.

„Homeschooling“ soll den Schulunterricht zu Hause ersetzen, jedoch fehlt vielerorts die Ausstattung und in den durch Jahrzehnte versäumte Wohnungspolitik sollen wir künftig in den eh viel zu kleinen Kaninchenställen auch noch arbeiten, genannt Homeoffice und Schüler betreuen. An sich keine schlechte Idee für den, der eigenes Arbeitszimmer zu Hause hat mit einem schnellen und sicheren Internetanschluss. Aber auch hier gibt es seit Jahren Defizite.

Nach der zweiten Welle der Pandemie kommt die Plandemie und die Pannendemie beim Impfstart. Ein Volk soll durchimpft werden, aber der Impfstaat versagt. Viele Pfleger/-innen wollen sich erst gar nicht impfen lassen. Verstehen kann ich es: Vor Monaten wurden sie wegen ihres unermüdlichen Einsatzes beklatscht und nun sollen sie ad hoc als Versuchskaninchen eines völlig neuen Stoffes herhalten.

Was haben wir noch gelernt:
Das Auto - die heilige Kuh- bekommt eine neue Renaissance, die Folge der Kontaktvermeidung in überfüllten Bussen und Bahnen. Das Land ist wieder „in“, weil hier bessere Luft sein soll und in der Innenstadt macht sich zunehmend der Leerstand durch endgültiig schließende Geschäfte breit. Insolvenzverschleppung ist nun staatlich angeordnet und die großen finanziellen Hilfen reichen nicht, oder bleiben nicht selten sogar aus.
Der große Crash folgt 2021: Pleiten und Arbeitslosigkeit, kulturelle Monotonie usw.. In Berlin scheinen die Lichter schon ausgegangen zu sein, nur die Weihnachtsbeleuchtungen täuschten im Dezember über diesen Eindruck hinweg und erhellten am Glühweinstand noch die Gemüter.

Was bleibt ist die Aussicht, dass es vielleicht doch nicht so schlimm kommen wird, aber sicher der nächste Lockdown.
Und wenn China wieder eine Erkältung hat, erschüttert das Deutschland und den ganzen Planeten in einer sich veränderten Weltordnung, 2019 so geschehen, beschleunigt durch ein kleines Virus, welches 2020 unseren ganzen Tagesablauf auf den Kopf stellte.
Fazit: In diesem Jahr mussten wir im Stillstand das Stillsein neu lernen.
Die Geschichtsbücher werden uns der folgenden Generation hoffentlich nichts Irritierendes vom „Sturm auf den Reichstag“ erzählen, der so keiner war. Nur der Bundespräsident kam plötzlich aus seiner Deckung und überspitzte diesen Lapsus: „Das traf uns in das Herz“. Schwache Worte!

Dann gab es 2020 noch neue und alte Bewegungen, wie Querdenker, Reichsbürger und Verschwörungstheoretiker, die sich mal mehr oder weniger laut zu Wort meldeten oder deren Auftritt gleich verboten wurde. Dafür gibt es ja nun ein neues Infektionsschutzgesetz (neue Bezeichnung: Bevölkerungschutzgesetz) mit weitrechenden Einschnitten in die Grundrechte, durch welche staatliche Institutionen spontan „ermächtigt“ werden können, weshalb auch oft und fälschlicherweise von einem Ermächtigungsgesetz die Rede ist, jedenfalls in Parallele zu seiner historischen Bedeutung.

Wird 2021 alles anders? Wohl nicht:
Dennoch gibt es Hoffnung, jenseits der Impflicht, denn die wird kommen – direkt oder indirekt.
Die Infektionszahlen werden so oder so jahreszeitlich bedingt sinken und es besteht Aussicht auf eine Normalität im Alltag.
Die Strategie ist die, mit Corona zu leben sowie wir mit den klimatischen Veränderungen und deren Folgen leben müssen.
Miteinander und Sozialverhalten werden sich dabei nachhaltig ändern, besonders mit und zwischen den Generationen. Wir werden bedachter leben (müssen) und unser Augenmerk verstärkt auf die wirklichen und ungelösten Probleme fokussieren müssen, die, die uns schon seit Jahren begleiten:
Umweltverschmutzung, klimatische Verschiebungen, Energiewende, Ressourcenknappheit, Bevölkerungsentwicklung, Migrationsströme, Menschenrechte…
So manchem Überfluss sollte man wirklich den Überdruss erklären. Ein Flug von Berlin nach Hamburg – sei es zu einem Businesstermin oder einem verlängertem Wochenendurlaub - war und ist künftig einfach in jeder Beziehung maßlos und überflüssig.

Der Deutsche ist allgemein zu ängstlich und pessimistisch in seiner Haltung, jedoch kreativ und erfinderisch im Geist – und das ist ein Plus und ein hoher Wert, ein Mehrwert für Zukunftsprojeke. Ein Dilemma wird auch zu einem Desaster, indem es allzu sehr überspitzt wird. Mehr Gelassenheit wünsche ich einigen Hysterikern nach dieser Krise. Von einer allgemeinen existentiellen Bedrohung sind wir weit entfernt.
Nicht alles wird gut, schon gar nicht besser, aber vieles wird anders. Prognosen haben in diesen Zeiten (der Pandemie) allerdings die Halbwertzeit eines Soufflés, schrieb kürzlich ein FA-Kommentator.
Die eingesperrte Zeit im Winter zuhause nutze ich zum Durchatmen und mir Ziele zu formulieren für Perspektiven zu entwickeln.
Das olympische Feuer wird 2021 in Asien entfacht und vielleicht auch das Feuer in uns, unser Kampfgeist, für die Freiheiten, die in vielen Generationen erstritten worden sind und auf denen das Grundgesetz mit seinen Artikeln basiert, dass hoffentlich bald, ohne Ausnahme, wieder in vollem Umfang gilt.
" Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt"; Art. 2(1) GG




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  Der Spiegel

      Wirtschaftsausblick | Die Goldenen 2020er | Eine Kolumne von Henrik Müller


    

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